Aktuelles

Christmas Edition 2021

Die letzte Ausstellung des Jahres 2021 in der Handwerksform Hannover ist immer etwas ganz Besonderes. Eine subjektive Auswahl von besonders schönen, individuellen Kunsthandwerk- und Designobjekten. Der Schwerpunkt liegt 2021 auf dem Thema Weihnachtsbaumschmuck.

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Hannover, 18. November 2021. Wie immer wollen wir den Freunden des Kunsthandwerks am Ende des Jahres als besonderes Highlight die Christmas Edition zeigen mit Exponaten von 50 Kunsthandwerker*innen und Designer*innen aus neun verschiedenen Werkbereichen. Drei Wochen lang ist die Christmas Edition für Sie geöffnet. Wer besonders viel Kunsthandwerk erleben möchte, der sollte das letzte Wochenende der Schau nutzen. Drei Tage lang wird dann die Ausstellung durch einen großen, bunten und vielfältigen Kunsthandwerkermarkt – den Adventszauber 2021 – ergänzt.

Schwerpunktbereich Weihnachtsbaumschmuck

Neben den klassischen Kugeln aus dünnwandigem, lichtdurchlässigem Porzellan von Daniela Abendroth in sorgfältiger Handarbeit gefertigt, finden sich auch kleine Keramikfiguren in einen „wollenen“ Schneeanzug gehüllt, zu denen Antje Gerhardy durch Kindheitserinnerungen inspiriert wurde.  Sterne aus vergoldeter Keramik, die durch ihren Glanz und ihre facettierte Oberfläche das Licht einfangen und den Baum feierlich erstrahlen lassen, steuert Denise Stangier-Remmert bei. Raum- und Baumschmuck aus feinstem Bone Chinaporzellan zeigt Silke Decker. Jedes Stück ist ein Unikat, das mit der Hand auf eine Gipsplatte gespritzt wird. Die Tülle wird wie ein Pinsel geführt, so dass grafisch anmutende weiße Sterne und Eisblumen entstehen. Witzige Porzellanfiguren für den Baum wie das Weihnachtsschaf „August“ steuert Yvonne Penter zur Ausstellung bei. Und Franziska von Woyski zeigt künstlerisch gestaltete Weihnachtskugeln mit echtem Blattgold und Blattsilber. Bei drehender Bewegung gehen die Linien ineinander über und es ergibt sich eine Gesamtgestaltung von Form-und Farbklängen.

Wir freuen uns auch, dass wir in diesem Jahr wieder die Glassterne von Detlev Greiner-Perth zeigen können. Sie werden vor der Flamme, die dabei eine Temperatur von etwa 2000 Grad erreicht frei geformt. Jedes Stück ist ein Unikat. Detlev Greiner-Perth ist stolz darauf einer Familie von Glasbläsern anzugehören, die ihre Geschichte rund 500 Jahre zurückverfolgen kann. Aber es gibt auch Weihnachtsbaumschmuck aus Papier: die Schweinchen von Julia Büttelmann beispielsweise, filigrane Püppchen von Bettina Klink-von Woyski und die bunten Papierkugeln im unverkennbaren Stil von Orike Muth.Lutz Brauneck hat sich bei seinem Christbaumschmuck mit dem Thema Fernweh auseinandergesetzt. Da Reisen zurzeit nicht oder nur schwer möglich ist, hat er Seeigelgehäuse von den Philippinen mit heimischem Nussbaum kombiniert. Dadurch sind ungewöhnlich reizvolle Hänger entstanden, die nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern ganzjährig als Fensterdekoration zum Einsatz kommen können. Rüdiger Tamm hat Baumschmuck entwickelt, der sich durch einen spielerisch leichten Umgang mit dem Material auszeichnet. So wird aus Gartenholz (Pflaume, Apfel, Kirsche) schmückendes Beiwerk für das schönste Familienfest.

Nachhaltig, bunt und schön: so zeigt sich der Weihnachtsbaumschmuck der Modistin Sabine Stasch, der auch unseren diesjährigen Flyer ziert. Bei ihrer Arbeit als Hutmacherin fallen oft kleinflächige textile Reste aus Haarfilzen und Schurwollvliesen an, die zu schade zum Wegwerfen sind. Die Herausforderung lag in der Materialbeschränkung: aus Schnipseln und langen Randstücken kleine, schlichte, dekorative Objekte für Weihnachtsbäume oder Fenster zu formen, ist gar nicht so einfach. Aber die Aufgabe wurde von Sabine Stasch ganz hervorragend gelöst.

Gold/Silber/Schmuck

Seit fast fünf Jahrzehnten fertigen Ulla und Martin Kaufmann in ihrer Hildesheimer Werkstatt Schmuck und Gerät. Sie bewegen sich nach eigenen Worten ständig von einer Dimension in eine andere, vom Ring zum Gefäß, vom Halsreif zum Löffel, vom Kubus zum Armreif. Vielfach ausgezeichnet sind ihre Schmuckstücke und Objekte in deutschen und internationalen Sammlungen und Museen zu finden. Erst unlängst erhielten sie bei der Grassi-Messe in Leipzig einen wohlverdienten Preis für das Lebenswerk. Wir freuen uns sehr, dass wir sie in der Handwerksform Hannover mit einer kleinen Auswahl von Silbergefäßen zeigen dürfen. Dass Schmuck auch ganz anders aussehen kann als die exklusiven Arbeiten von Ulla und Martin  Kaufmann, das zeigt Francisca Hennemann, die an der Kunstakademie in Rotterdam Mode studiert hat. Sie entwirft und fertigt handgemachten Schmuck aus Industriegummi und Silikon und will mit der Verwendung dieser Materialien einen kleinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt leisten. 

Holz

Große, asymmetrische Holzgefäße steuert Konrad Koppold, der Anfang Oktober mit dem 3. Preis beim Wettbewerb des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnet wurde, zur Ausstellung bei. Er verwendet für seine Arbeiten gern nasses Eichenholz, das teilweise auf zwei Achsen gedrechselt wird. Beim anschließenden Trocknungsvorgang verformen sich die Objekte, so wie es durch die innere Spannung des Holzes, die Maserung und den Faserverlauf vorgegeben ist. Koppold bürstet die Außenwand der Objekte, dadurch wird die Maserung noch deutlicher sichtbar. Abschließend werden die Objekte geräuchert, geschwärzt oder gelaugt und geölt.

Leder

Die Sattlerin Imke Ganteför beschäftigt sich auf künstlerischer und gestalterischer Ebene mit dem Thema Behältnis, Tasche, Gefäßkörper. Welche Signale sendet das Objekt aus und wie werden diese vom Menschen interpretiert? Diese Fragen begleiten sie in ihrem Entwurfs- und Gestaltungsprozess, um im Ergebnis ein Objekt zu erhalten, das den Menschen auf eine bestimmte Art anspricht und in besonderer Weise begegnet.

Papier

In der Papierwerkstatt von Heike Roesner – der Roesnerei – entstehen Geschichten, kleine Szenen aus den unterschiedlichsten Papieren, die man sich vorstellen kann: aus altem oder neuem, gebrauchtem oder ungebrauchtem, aus edlem und banalem, merkwürdigem und alltäglichem. In der Technik des Papiermachés verwandelt sich der Grundstoff zu Figuren und Episoden, jede Ähnlichkeit mit lebenden Vorbildern ist durchaus gewollt. Manchmal führt der Prozess zu bizarren Geschichten, in deren Verlauf spezielle Papier-Persönlichkeiten – wie beispielsweise die Hirschdamen und –herren – geboren werden.

Textil

Gebrauchstüchtige Wohnaccessoires aus Baumwolle und Leinen stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Anne Andersson, die unter dem Label Elblinnen firmiert. Das klassische Design ihrer Badematten, Hand- und Geschirrtücher überzeugt durch das Zusammenspiel von natürlichen Materialien und gewebten Strukturen. In ihrer Werkstatt entstehen Textilien, die einen ein Leben lang begleiten können.

Handgewebte Schals aus Seide und Leinen sowie ausgefallene Schalkreationen, die wie textiler Schmuck getragen werden, gehören zum Repertoire von Ulrike Isensee. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weberei. Daneben findet sie durch experimentelles, spielerisches Arbeiten mit unterschiedlichen Garnen, Materialien und textilen Techniken neue überraschende Lösungen. Grenzgänge interessieren sie: Was passiert, wenn ein Gewebe immer transparenter wird und schließlich nur noch aus einzelnen Fäden und Stoffteilchen besteht, die durch ein feines Gitternetz miteinander verbunden sind? Der Schal als Objekt, als Körperschmuck oder als wärmender Begleiter ist ein unerschöpfliches Thema, dessen Variationsmöglichkeiten noch lange nicht erforscht sind.

Auch die Plissees von Marina Krog sind mehr Schmuck als wärmendes Accessoire.  Immer wieder neue Faltmuster zu entwickeln, dafür steht der Name Krog. Mit den ersten Plisseemustern, fällt die Entscheidung für das Material. Dasselbe Plisseemuster kann in unterschiedlichen Materialien ganz anders ausfallen.  Im transparenten Chiffon, kommen die Überlappungen zur Geltung, in der glänzenden, opaken Variante, scheinen einzelne Schuppen aneinandergefügt.

Teilnehmer*innen:

Glas

Simone Fezer

Detlef Greiner-Perth

Carolin Schwan

Gold & Silber / Schmuck

Jutta Arndt

Anja Bette

Maike Dahl

Francisca Henneman

Kirsten Jäschke

Alessa Joosten

Ulla + Martin Kaufmann

Nora Kovats

Julika Müller

Jorinde Nisse

Dorit Schubert

Holz

Christoph Balsiger

Lutz Brauneck

Mathias Kirchhoff

Klaus Kirchner

Arnim Kolb

Konrad Koppold

Rüdiger Tamm

Keramik

Daniela Abendroth

Susanne Bartram

Valérie Ceulemans

Chanyeon Cho

Claudia Craemer

Silke Decker

Antje Gerhardy

Petra Hilpert

Atsushi Kitahara

Laura Niemeyer

Yvonne Penter

Ulrike Sandner

Denise Stangier-Remmert

Meng-Chan Yu

Leder

Imke Ganteför

Anke Runge

Metall

Pavle Kovacevic

Papier

Julia Büttelmann

Heike Roesner

Textil

Anne Andersson

Sylvia Bünzel

Samira Heidari Nami

Ulrike Isensee

Bettina Klink - von Woyski

Marina Krog

Marion Krüger

Orike Muth

Dagmar Rehse

Sabine Stasch

Susanne Wetzel

Sonstiges

Catherine Bernaisch

Gerhard Merkin

Franziska von Woyski

Informationsblatt

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 19.11.2021, 20 bis 22 Uhr

Ausstellungsdauer:
20.11.2021 bis 12.12.2021

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr,
Sa 11-14 Uhr
Sonderöffnungszeiten am letzten Wochenende

Kunsthandwerkermarkt Adventszauber 2021:
Freitag bis Sonntag, 10.12. bis 12.12.2021, 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei

Corona Hinweis:
Nach der aktuell gültigen Corona-Verordnung der Region Hannover ist die 2G+ Regel anzuwenden. Nur Genesene oder Geimpfte, die außerdem noch einen negativen Schnelltest (24 Stunden gültig) vorweisen können, haben Zutritt zu unseren Räumen. Außerdem besteht FFP2-Maskenpflicht.

Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst 2021

Seit 1984 wird der Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst in regelmäßigen Abständen vergeben. Dieser bundesweit einmalige Wettbewerb hat das Ziel, die Textilkunst in Deutschland zu fördern und das Werk herausragender Textilkünstler*innen zu würdigen. 153 Bewerbungen wurden 2021 zum Wettbewerb zugelassen. In der Herbstausstellung der Handwerksform Hannover sind die Arbeiten der neuen Preisträgerin – Karin Eberhardt – sowie weitere Wettbewerbsarbeiten ausgewählter Teilnehmer*innen zu sehen.

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(Foto: Waschek)

Die Textilkünstlerin Karin Eberhardt verbindet in einzigartiger Weise ihre herausragenden handwerklichen Fertigkeiten mit wohl durchdachten künstlerischen Konzepten. Jede ihrer Arbeiten beginnt mit einem Entwurf, der maßgeblich für die Wahl der Materialien ist, die sie verwenden möchte. Dabei setzt sie ihrer Fantasie keine Grenzen, und so kommen vielfältige Dinge zum Einsatz, die sie mit der traditionellen Arbeitstechnik der Handstickerei verwandelt und neu inszeniert.


Es ist vor allem der Prozess des Stickens selbst, der die Künstlerin Karin Eberhardt prägt. Nur sehr langsam entsteht eine Arbeit in Handstickerei. Entschleunigung und die dadurch mögliche Selbstbesinnung bestimmen den Schaffensprozess und finden in der hohen Qualität der Werke ihren Niederschlag. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat die diesjährige Preisträgerin des Lotte-Hofmann-Gedächtnispreises für Textilkunst 2021 ihren Weg als Stickerin und Textilkünstlerin verfolgt. Dabei ist es ihr gelungen, traditionelle Arbeitsweisen neu zu entdecken, aufzugreifen, zeitgenössisch zu interpretieren und auf diese Weise ihre künstlerischen Anliegen zu formulieren.

 

„Seit vielen Jahren bin ich Stickerin“, schreibt Karin Eberhardt. „Es war schon damals, als ich damit begann, völlig aus der Mode.“ Umso spannender, dass diese textile Technik derzeit eine Art Renaissance erlebt. Karin Eberhardt bleibt davon unberührt. Sie stickt Tag für Tag in ihrem Atelier in Saarbrücken von Hand und völlig allein alles, was noch gestickt werden muss. In ihren Werken erzählt sie „Geschichten des Unspektakulären“. Einfache Fundstücke des Alltags und Abfallprodukte entfalten bei ihr einen besonderen Zauber. Die Geschlossenheit des Gesamtwerkes und die Sensibilität der Künstlerin im Umgang mit den Materialien sowie die hohe Perfektion ihrer Stickereien haben die Jury überzeugt, ihr den Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst 2021 zuzuerkennen.

Der Wettbewerb für den Lotte-Hofmann-Preis sieht nur die Vergabe eines einzigen Preises vor. Davon abweichend hat sich die Jury in diesem Jahr einhellig dafür entschieden, zwei jungen Textilkünstlerinnen eine besondere Anerkennung auszusprechen. Eine Anerkennung erhält die Textilkünstlerin Anja Demuth, die im Oktober 2020 ihren Abschluss Master of Art im Textil- und Flächendesign an der Weißensee Kunsthochschule Berlin mit Auszeichnung absolviert hat und seither als freischaffende Textilkünstlerin tätig ist. Anja Demuth sucht neue, experimentelle Wege in der Textilkunst und beschäftigt sich unter anderem intensiv mit der Möglichkeit, Textilien mit einem 3D-Druck-Stift zu bearbeiten. Sie nutzt moderne Techniken wie Lasercut und 3D-Druck und verbindet das Ganze mit aufwändiger Handarbeit.


Die zweite Anerkennung wird an die Textilkünstlerin Johanna Stella Rogalla vergeben, die 2020 ihren Master-Abschluss an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle machte. Sie arbeitet zu den unterschiedlichsten Themenbereichen und drückt sich in hochkomplexen mehrlagigen Geweben aus. Rogalla nutzt das Potential, das in der Kombination von modernen, computergestützten Jacquard-Webstühlen und einfachen Schaftwebstühlen liegt, und schafft so Werke, in denen eine Symbiose zwischen einer von Hightech bestimmten und einer archaischen Ästhetik sichtbar wird. Beeinflusst wurden ihre Arbeiten unter anderem durch mehrmonatige Auslandsaufenthalte in Indien und Jordanien.


Aus den Finalisten des Wettbewerbs wählte die Jury weitere Teilnehmer*innen für die Ausstellung in Hannover aus.


Katharina Geccelli-Scherer ist ebenfalls als Stickkünstlerin unterwegs. So wie ein Maler Pinsel und Farbe verwendet, gebraucht sie Nadel und Faden, um fein differenzierte farbige Flächen zu gestalten. Es entsteht eine Art von Nadelmalerei, bei der die Stiche frei gesetzt werden, so dass Fäden unterschiedlicher Art und Farbigkeit eng, jedoch nicht ganz dicht beieinander liegen. Sie bilden zunächst kleine, meist quadratische Elemente, die an Millefiori-Gläser erinnern. In strenger Reihung oder in schwingenden Kurven angeordnet verschmelzen die Farben wie bei einem pointillistischen Gemälde.


Nadine Göpfert hinterfragt in ihren internationalen Projekten die Beziehung zwischen Kleidungsstücken, Individuum und Gesellschaft, um unbewusste Verhaltensmuster im alltäglichen Gebrauch von Textilien aufzudecken. In der Ausstellung zeigen wir Teppiche, die aus dem normalen Zuschnitt von Quadrat, Kreis oder Rechteck ausbrechen.


Geli Haberbosch ist in der Ausstellung mit Arbeiten aus dem Futuristischen Garten, gewebten Objekten, die an Früchte erinnern. Wesentlich für ihre Arbeiten ist die Adaption traditioneller Techniken, um damit zeitgemäße Inhalte zu vermitteln. Das Prinzip der Reihung, wie es in der Natur, der Mathematik und der Musik vorkommt, übt einen großen Reiz auf die Künstlerin aus. Grundlagen ihrer Arbeit sind Linien, die sich überlagern und dadurch Bewegung oder Räume darstellen. Sie nutzt vor allem Färbe- und Webereitechniken. In ihren neuesten Arbeiten – so in der Serie Futuristischer Garten - erweitert sie die ursprünglich flachen Gewebe um eine weitere Dimension.


Ute Ketelhake aus Springe steuert zur Ausstellung einen handgeknüpften Hochflorteppich aus Lana Cotta bei. Für die von ihr entwickelten Second Life Rugs verwendet sie ausschließlich GOTS-zertifizierte Produktionsabfälle aus der Industrie, die bei der Herstellung von textilen Produkten anfallen und den Verbraucher nicht erreichen. Ihre ökologischen Unikat-Teppiche sind tritt- und abriebfest, flusenfrei, schmutzabweisend und sehr strapazierfähig.


Die Verwendung von Filz in der Kunst ist vor allem mit zwei Namen verbunden, Joseph Beuys und Robert Morris. Während Beuys an den schützenden, isolierenden und wärmenden Eigenschaften des Materials interessiert war, ging es Morris darum herauszufinden, wie es, in Bahnen hängend, unter Einwirkung der Schwerkraft wechselnde Formen bildet. In beiden Fällen entsteht der Eindruck von Schwere. Bodo Korsig geht ganz anders vor: bei ihm wird der schwarze Filz durch Cut-Outs auf ein filigran wirkendes Geflecht von Linien und unregelmäßigen Flächen reduziert, die Gebilde von schwebender Leichtigkeit und, frei im Raum hängend, unbestimmter Form entstehen lassen.


Heidrun Schimmel ist fasziniert von dem existenziell und symbolisch mit dem menschlichen Leben verbundenen textilen Faden. Zeitintensiver Arbeitsprozess, Instabilität, Flexibilität und Empfindlichkeit sind charakteristische Gegebenheiten aller Textilprodukte. Sie nutzt für ihre textilen Arbeiten eine ganz einfache Technik. Auf Organdy wird mit der Hand der Faden in mehreren Schichten geheftet: Stich für Stich.


Subtile Texturen, haptische Oberflächen und Strukturen stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Lucia Schwalenberg. Ihre bevorzugte Technik ist die Weberei, besonders die Jacquardweberei. In der Jacquardweberei wird jeder Faden einzeln angesteuert. Handgezeichnete Entwürfe und Bilder werden frei in Gewebe umgesetzt. In einem Dissertationsprojekt setzt sich die Textildesignerin und Weberin derzeit kulturhistorisch mit der Beiderwandweberei Meldorf als textilem Erinnerungsort auseinander. In diesem Zusammenhang entstanden die Arbeiten für die Lotte-Hofmann-Ausstellung in der Handwerksform Hannover. Beiderwand ist eine komplexe Gewebetechnik mit zwei Kett- und Schuss-Systemen und partiellem Hohl- bzw. verbundenem Gewebe. Die Gewebeseiten zeichnen ein kontrastreiches Positiv-Negativ-Bild. Der Name Beiderwand leitet sich von diesen beiden Gewebeseiten ab oder von beiderlei Garn. Die Entwürfe für die Ausstellung webt Lucia Schwalenberg von Hand am digitalen Jacquardwebstuhl.


Die traditionelle Form des Bodenteppichs wird von Katja Stelz neu interpretiert, indem sie auf alle dekorative Ausgestaltung verzichtet und die monochrome Fläche nur durch parallele oder sich rechtwinklig kreuzende Linien gliedert. Die Besonderheit der Teppiche besteht darin, dass sie beidseitig nutzbar sind. Die Technik des Doppelgewebes ergibt zwei gegengleiche Gewebeseiten, die eine mit hellen Linien auf dunklem Grund, die andere mit dunklen auf einem hellen Fond. Die Möglichkeit, die Teppiche zu wenden, erlaubt es, den Charakter eines Raumes gewissermaßen mit einer Handbewegung zu verändern.


Monika Supé kommt von der Architektur und interessiert sich vor allem für den Menschen im Raum. Ihre Ausdrucksmittel haben sich aus der Zeichnung entwickelt. Lineare Materialien wie Schnur, Faden und vor allem Draht werden verstrickt oder verhäkelt zu dreidimensionalen Gebilden. So entstehen textil anmutende, durchsichtige, hüllenartige Objekte, die wie monochrome Zeichnungen ohne das Trägermaterial Papier im Raum schweben, von Wänden hängen oder auf Podesten stehen. Manche dieser gewebeartigen Hüllen sind bekleidungsähnlich und thematisieren das Bedecken des menschlichen Körpers, einige ähneln Kopfbedeckungen, wieder andere dem menschlichen Körper selbst und manche erinnern an Behausungen in Miniaturformat mit reusenartigen Öffnungen.


Patricia Waller nutzt die textile Technik des Häkelns. Ihre Objekte kommen auf den ersten Blick oft harmlos daher, weil sich die Künstlerin eines Materials und einer Technik bedient, die spießbürgerliches Glück in häuslicher Bescheidenheit suggerieren. Tatsächlich sind sie meistens bitterböse Kommentare, die hinter Vertrautem Abgründe sichtbar machen und die scheinbare Idylle, ob gemütliches Heim, Kindheit oder Natur, in ihrer Brüchigkeit zeigen. Indem sie mit Mitteln der Karikatur arbeitet, aber auch Elemente des kritischen Realismus der 1920er Jahre und der Pop Art aufnimmt, steht Patricia Waller in einer künstlerischen Tradition, die sie mit der konsequenten Verwendung einer „armen“ Technik (Häkeln) in den aktuellen künstlerischen Diskurs überführt .


Zum Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst:

Seit 1984 wird der Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst in regelmäßigen Abständen vergeben. Dieser bundesweit einmalige, von den Schwestern Lotte- und Käthe Hofmann aus Karlsruhe gestiftete Wettbewerb hat das Ziel, die Textilkunst in Deutschland zu fördern und das Werk herausragender Textilkünstler*innen zu würdigen. Die Teilnahme am Wettbewerb steht Künstler*innen aus allen Bereichen des textilen Schaffens offen mit einer Ausnahme: Bewerber*innen, die ausschließlich Bekleidung und persönliche Accessoires entwerfen und fertigen, sind nicht zugelassen. An der Wettbewerbsrunde 2021 beteiligten sich 153 Bewerber*innen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Handwerkskammer Hannover zur Verfügung gestellt. Neben der Preisträgerin Karin Eberhardt, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird, erhalten zwei junge Nachwuchskünstlerinnen eine lobende Anerkennung: Anja Demuth und Johanna Rogalla. Für diese Küntlerinnen stellt die Handwerksform Hannover ebenfalls die Preisgelder in Höhe von je 500 Euro zur Verfügung.

Ausstellungslaufzeit:
18.09.2021 bis 16.10.2021
Ausstellungsführungen mit Dora Hermann:
Donnerstag, 30.09. + 07.10.2021, jeweils 16.30 bis 17.30 Uhr
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr
Samstag 11 bis 14 Uhr
Sonntag, Montag und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

Hinweis für den Besuch der Ausstellung:
Der Besuch der Ausstellung ist nur im Rahmen der 3-G-Regel für genesene, geimpfte oder frisch getestete Personen möglich. Ein entsprechender Nachweis sowie ein Ausweis müssen vorgelegt werden. Das Tragen einer medizinischen Maske (FFP2 oder OP Maske) ist in der Handwerksform Hannover verpflichtend.

Young Professionals

Einladung zur Ausstellungsbeteiligung

Ausstellung vom 17. September bis 15. Oktober 2022

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In unregelmäßigen Abständen lädt die Handwerksform Hannover junge Kunsthandwerker*innen und Designer*innen ein, ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Wir möchten den Nachwuchstalenten damit ein besonderes Sprungbrett bieten und zugleich der Öffentlichkeit die Vielseitigkeit, Innovationskraft und gestalterische Kraft der jungen Kreativszene des Kunsthandwerks und Designs zeigen.

 

Diese Ausstellung richtet sich an kreative handwerkliche Gestalterinnen und Gestalter, deren Abschlussprüfung nicht länger als 5 Jahre zurückliegt (Gesellenprüfung, Meisterprüfung, Designstudium, Gestalter im Handwerk oder vergleichbarer Abschluss). Die Einladung zur Ausstellungsbeteiligung ist offen für alle Werkbereiche der angewandten Kunst, und wir freuen uns auf neue Lösungen, auf Ausgefallenes, Experimentelles und Unkonventionelles. Teilnehmer*innen aus dem Bereich der freien Kunst sind nicht zugelassen.

 

Deadline für die Bewerbungen ist der 15. Februar 2022.

 

Anmeldeformular Teilnahmebedingungen

What's new?

Einladung zur Ausstellungsbeteiligung

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Im Sommer 2022 wollen wir zeigen, wie Kunsthandwerker*innen die Corona-Pandemie genutzt haben, um Neues zu schaffen. Die Ausstellung ist für die Zeit vom 04. Juni 2022 bis 02. Juli 2022 geplant.

Seit März 2020 hat die Corona Pandemie die Welt fest im Griff. Dies hatte enorme Auswirkungen auf die Kultur- und Kreativszene. Alle Vertriebswege waren von einem auf den anderen Moment nicht mehr offen: Galerien mussten geschlossen werden, Spezialmärkte wurden abgesagt, Ausstellungen konnten nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang stattfinden.

 

Dennoch haben sich die allermeisten kreativ gestalterische arbeitenden Kunsthandwerker*innen, Designer*innen und angewandten Künstler*innen nicht entmutigen lassen, sondern die Zeit genutzt, um neue Werke zu schaffen, neue Materialien, neue Formen, neue Produktionsweisen auszuprobieren. Die Ergebnisse dieses kreativen Rückzugs wollen wir in der Sommerausstellung 2022 in der Handwerksform Hannover zeigen und laden herzlich zur Ausstellungsbeteiligung unter dem Titel „What’s new?“ ein.

Die Ausschreibung ist offen für Einreichungen von Arbeiten, die 2020 und 2021 entstanden sind. Alle Werkbereiche sind zugelassen. Wir freuen uns auf innovative Exponate aus dem In- und Ausland. Arbeiten aus dem Bereich der freien Kunst sind nicht zugelassen.

 

 

What's new?

Exhibition at Handwerksform Hannover:
4th June 2022 to 2nd July 2022

 

Since March 2020, the Corona pandemic has had the world firmly in its grip. This had a huge impact on the cultural and creative scene. All distribution channels were no longer open from one moment to the next: Galleries had to be closed, special markets were canceled, exhibitions could not take place or only to a very limited extent.

Nevertheless, the vast majority of creative artisans, designers and applied artists did not let
themselves be discouraged, but used the time to create new works, to try out new materials, new forms, new production methods. We want to show the results of this creative retreat in the summer exhibition 2022 at Handwerksform Hannover and cordially invite you to participate in the exhibition under the title "What's new?".

The call is open for submissions of work created in 2020 and 2021. All areas of work are eligible. We look forward to innovative exhibits from home and abroad. Works from the field of liberal arts are not admitted.

Deadline for applications: January 31st, 2022.

Anmeldeformular Teilnahmebedingungen

Neues Jahr - neues Magazin

Zweimal im Jahr erscheint das neue Magazin "was feines" der Handwerksform Hannover.

Das Jahr 2021 bringt etwas Brandneues, auf das sich die Freunde der Handwerksform Hannover freuen können: das Magazin „was feines“. Hier finden sich Berichte, Geschichten und Fotos zu den vielen feinen, handwerklich gefertigten und gut gestalteten Dingen, die die Besucher in den Ausstellungsräumen der Handwerkskammer Hannover seit mittlerweile fast sechs Jahrzehnten immer wieder bewundern können.

Das Magazin „was feines“ soll zweimal im Jahr erscheinen. Es enthält Artikel rund um Themen Kunst, Handwerk und Design sowie Informationen über Ausstellungspläne, Exponatfotos der von uns vertretenen Kunsthandwerker*innen und Einblicke ins Handwerk, Vorschauen und Rückblicke auf Ausstellungen, Berichte von Veranstaltungen und vieles, vieles mehr.

„Dabei haben wir uns ganz bewusst für ein Printprodukt entschieden. Denn gerade in den herausfordernden Zeiten, die wir gerade erleben, findet so vieles nur im digitalen Raum statt. Das schreit geradezu nach einem Gegengewicht“, erläutert Sabine Wilp, Kuratorin der Handwerksform Hannover. 

Gern senden wir Ihnen Ihr persönliches Exemplar, solange der Vorrat reicht. Anfragen bitte an: handwerksform@hwk-hannover.de

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